Nicht zuletzt hat uns die Corona-Pandemie in 2020 gezeigt, dass es heut zu Tage nur wenig Planungssicherheit gibt. Märkte sind zusammen gebrochen, lukrative Aufträge konnten vielerorts nicht realisiert werden. Die digitale, virtuelle Arbeitswelt hat zwar einiges aufgefangen, was wir alle so vor Ausbruch der Pandemie mit Sicherheit auch nicht gedacht hätten. Doch trotz alledem wirft das ganze bei mir die Frage auf, ob es eigentlich noch Projekte geben kann, in denen eine klassische (Wasserfall-) Planung noch zielführend ist. Damit wir uns dieser Frage widmen können, müssen wir darüber nachdenken für wen agile Vorgehensmodelle in Projekten etwas ist und für wen etwa nicht.

Eine gute Übersicht „Wann eine agile Vorgehensweise sinnvoll ist und wann eben nicht“ liefert ein Vergleich beider Vorgehensmodelle der HFP Digital Advisory.

HFP Digital Advisory – Agil oder nicht Agil? Wann ist es sinnvoll und wann nicht…

Im Kapitel „Waterfall vs. Agile“ findet ihr eine schlanke Liste, aus der klar hervor geht, dass klassische Ansätze dann sinnvoll sind, wenn alle Anforderungen zu Beginn eines Projektes bekannt, keinerlei Veränderungen im Projektverlauf zu erwarten sind oder beispielsweise auch der mögliche Lösungsansatz schon recht klar ist.

Doch genau bei diesen drei Kriterien stellt sich mir die Frage: Gibt es solche Projektaufsätze überhaupt noch? In meinem bisherigen Berufsleben ist mir kein Projekt über den Weg gelaufen, in dem sich nicht erst im Laufe der Projektarbeit das gewünschte Ergebnis nachgeschärft hat oder eine Aufwandsschätzung genau im Zielkorridor gelandet ist. Bislang gab es maximal eine Hand voll Auftraggeber, die ihre Erwartungen an das Projektergebnis bereits vor Beginn widerspruchsfrei nennen konnten. Und dafür gibt es vielerlei konkreter Beispiele:

Bei einem meiner letzten Logistik-Projekte hat sich erst nach einiger Zeit ergeben, dass die Maße, mit denen man das entsprechende Lagersystem ausgelegt hatte, einen veralteten Stand besaßen. Die Projektlaufzeit hat sich dadurch vervielfacht. Ein anderes Beispiel für unerwartete Änderungen im Projektverlauf stellen auch Budgetkürzungen dar. Wie oft ist es uns allen schon passiert, dass Projekte aufgrund ihrer finanziellen Belastung gekürzt wurden und dadurch auch das Ergebnis nicht das sein konnte, wie ursprünglich einmal angefacht. Und zuletzt hat uns die Corona-Pandemie gezeigt, wie unvorhersehbar die heutige Zeit eigentlich wirklich ist: In Null-Komma-Nichts kamen ganze Wirtschaftszweige zum Erliegen, lukrative Aufträge fielen weg, Kurzarbeit ist in aller Munde und der Digitalisierung unserer Arbeitswelt kam ein neuer Stellenwert zu (Homeoffice, Videokonferenzen und Co.).

Ich bin der Meinung, dass Projekte, bei denen eine klassische (Wasserfall-) Planung noch weiterhin geeignet ist, mittlerweile als Dinosaurier gelten und nur noch selten vorkommen. Wenn, dann meist eher im Sinne eines wiederholten Vorhabens und das wiederum ist allerdings kein richtiges Projekt, denn Projekte sind gekennzeichnet durch die Einmaligkeit des Vorhabens.

Ein Projekt ist eine zeitlich befristete, relativ innovative und risikobehaftete Aufgabe von erheblicher Komplexität, die aufgrund ihrer Schwierigkeit und Bedeutung meist ein gesondertes Projektmanagement erfordert. (Gabler Wirtschaftslexikon)

Es ist dann also eher ein periodischer Prozess der wiederholt durchlaufen wird und somit mit Hilfe klassischer Ansätze geplant und gesteuert werden kann. Beispielsweise die Aktivitäten zum Jahresabschluss im Finanzwesen oder die Aufstellung des jährlichen Inventars im Bereich der Logistik.

Ein Prozess stellt eine logisch-zeitliche Struktur zwischen Aktivitäten dar. Ein Prozess wird durch ein oder mehrere Startereignisse ausgelöst, verbraucht Input und liefert ein oder mehrere Ergebnisse (Output).
(BPM CBOK V3)

Hinterlasst mir gern ein Kommentar, wenn ihr meinem Gedankengang bei dieser spannenden Frage, ob es eigentlich noch klassische Projektaufsätze nach den Erfahrungen aus 2020 geben kann, folgen konntet oder eine Ergänzung vornehmen möchtet. Natürlich ist meine These, dass die klassischen Projektaufsätze zu den Dinosauriern zählen sehr polarisierend. Nichts desto trotz sehe ich hier die Anwendungsfälle zunehmend schwinden.

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